page Rabenzeit - das Blog der Rabenfrau: Ludwig Tieck und Fantin Latour

Ludwig Tieck und Fantin Latour

22 März 2013

Fantin Latour, Ignace Henri Jean Théodore (1836-1904)

Frühlings Erwachen

Nie vergisst der Frühling wiederzukommen;
Wenn Störche ziehn, wenn Schwalben auf der Wiese sind,
Kaum ist dem Winter die Herrschaft genommen,
So erwacht und lächelt das goldene Kind.

Dann sucht er sein Spielzeug wieder zusammen,
Das der alte Winter verlegt und verstört,
Er putzt den Wald mit grünen Flammen,
Die Nachtigall er die Lieder lehrt.

Er rührt den Obstbaum mit rötlicher Hand,
Er klettert hinauf die Aprikosenwand,
Wie Schnee die Blüte noch vor dem Blatt ausdringt,
Er schüttelt froh das Köpfchen, dass ihm die Arbeit gelingt.

Dann geht er und schläft im waldigen Grund
Und haucht den Atem aus, den süßen;
Um seinen zarten, roten Mund
Im Grase Viol' und Erdbeer' sprießen.
Wie rötlich und bläulich lacht
Das Tal, wenn er erwacht!

In den verschloss'nen Garten
Steigt er über's Gitter in Eil',
Mag auf den Schlüssel nicht warten,
Ihm ist keine Wand zu steil.

Er räumt den Schnee aus dem Wege,
Er schneidet das Buchsbaumgehege,
Und feiert auch am Abend nicht,
Er schaufelt und arbeitet im Mondenlicht.

Dann ruft er: Wo säumen die Spielkameraden,
Dass sie so lang in der Erde bleiben?
Ich habe sie alle eingeladen,
Mit ihnen die fröhliche Zeit zu vertreiben.

Die Lilie kommt und reicht die weißen Finger,
Die Tulpe steht mit dickem Kopfputz da,
Die Rose tritt bescheiden nah,
Aurikelchen und alle Blumen, vornehm und geringer.

Dann küsst der Frühling die zarten Blumenwangen
Und scheidet und sagt: Ich muss nun gehn.
Da sterben sie alle an süßem Verlangen,
Dass sie mit welken Häuptern stehn.

Der Frühling spricht: "Vollendet ist mein Tun,
Ich habe schon die Schwalben herbestellt,
Sie tragen mich in eine and're Welt,
Ich will in Indiens duftenden Gefilden ruhn.

Ich bin zu klein, das Obst zu pflücken,
Den Stock der schweren Traube zu entkleiden;
Mit der Sense das goldne Korn zu schneiden;
Dazu will ich den Herbst euch schicken.

Ich liebe das Spielen, bin nur ein Kind
Und nicht zur ernsten Arbeit gesinnt;
Doch wenn ihr des Winters überdrüssig seid,
Dann komm' ich zurück zu eurer Freud'.

                                             Ludwig Tieck (1773-1853)

Stellt euch vor: Momentan scheint hier die Sonne! Vielleicht wird es ja doch. Allerdings ist für das Wochenende schon wieder Regen und Schnee angesagt. Der Königskerzen-Wetterprophet Sepp Haslinger [LINK] hat wohl doch leider Recht! Leute, da müssen wir durch!



PS: @LIA: Der Hase kriegt nix! Alles für mich ;o) (und bereits arg dezimiert!)

@SILVIA: Na ja, da kann man schon mal gucken...

@TANJA: Selbstgekauft.

@TRAUDE: Ich bin auch für einen festen Ostertermin so Mitte April rum. Die Petition unterschreibe ich sofort!

Kommentare :

  1. Wunderschön, das Stilleben! Ja, und irgendwann wird's noch immer Frühling .... schon durch den höheren Stand der Sonne kann es nicht so bleiben wie es ist ;-)
    Aber es hat schon Winter bis in den Mai hinein gegeben ... das ist alles nichts Neues!

    Was diesen Königskerzenmann betrifft - die Naturbeobachtung ist alles und meine fast 84j. Mutter weiß auch, daß wenn es Wintergewitter gibt, wird der Winter sehr lange dauern.
    Herzlichen Dank aber für den Link zu diesem Herrn, den ich noch gar nicht kannte.

    Liebe Grüße
    Sara

    AntwortenLöschen
  2. Danke für das tolle Bild und das schöne Gedicht!
    Liebe Grüße,
    Markus

    AntwortenLöschen
  3. Liebe Rabenfrau, danke für die Mühe, die du dir gibst, mit deinen Bildern und Versen den Frühling zu locken. Möge sie bald belohnt werden.

    Herzliche Grüße vom grauen Niederrhein,
    ladybird

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Ich freue mich über jede Nachricht von euch!
Grüßle
Ursel


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