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November - irgendwie traurig

02 November 2013


Der November ist besonderer Monat. Die dunkelste Zeit des Jahres beginnt, das Wetter ist passenderweise oft trübe und regnerisch, die ganze Natur scheint irgendwie tot. Wir erinnern uns in dieser traurigen Jahreszeit wieder besonders an die Menschen, die wir verloren haben. Viele schmücken die Gräber ihrer Lieben zu Allerseelen oder zum Totensonntag mit schönen Gestecken oder Kränzen.

Meine Oma hat früher im November immer in unserem Keller große Kränze selber gebunden. Das war eine ziemlich pieksige Angelegenheit, denn sie hat dazu Zweige von dem Ilex genommen, der immer noch bei uns daheim im Garten steht. Sie war auch sonst sehr oft auf dem Friedhof. Meine andere Oma  ebenfalls häufig auf dem Friedhof, auch wenn sie dazu dafür zu Fuß einen recht weiten Weg zurücklegen musste. Und nun tut es ihnen meine Mutter nach, wenn sie unser Familiengrab pflegt, in dem nun auch mein Vater liegt.

Der Rabenmann und ich sind eher keine Friedhofsbesucher. Ab und zu gehe ich, wenn ich in Bremen bin, meiner Mutter zuliebe. Aber ich sehe meinen Vater dort nicht. Er war zu Lebzeiten eigentlich nie dort, hat sich auch immer vor Beerdigungen gedrückt. Ich fühle mich ihm nahe, wenn ich daheim in dem Sessel sitze, in dem er immer gesessen hat, wenn ich die beiden schrecklichen, verblichenen Schiffsbilder angucke, die ihm zuliebe nie ausgewechselt worden sind und immer noch an der Wand im Wohnzimmer meiner Mutter hängen (Er wollte genau diese Bilder an der Wand haben und keine anderen!), wenn ich irgendwo ein Ruderboot auf dem Wasser sehe, oder einen Mann im weißen Kittel in einem Laden. Wenn ich jemanden einen winzigen Rasen mit irgendwelchen, grandiosen Maschinen bearbeiten sehe, und jedes Gänseblümchen jagen, wenn die Rosen blühen, und wenn ich irgendwo am Meer bin...

Kommentare :

  1. Liebe Ursel, so geht es mir auch. Meine Eltern leben zwar glücklicherweise noch, - aber Opa + Oma trag ich täglich auf meiner Zunge, in dem ich sie zitiere oder manchmal nach Rat frage. Die Antwort kommt prompt. Deswegen trage ich sie im Herzen. Sie sind noch immer da, nach all der Zeit - egal wo ich bin. Seltenst treffe ich sie am Friedhof selbst.
    GGLG Bine

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  2. Wie schön Du das beschrieben hast, liebe Ursel! Ich selbst mag gern auf den Friedhof gehen. Und ich muß sagen, meine Lieben, die dort liegen, waren auch nicht DIE Friedhofsgänger. Aber für mich ist ein Grab die letzte Ruhestätte. Wir mögen auch keine Urnen und Feuerbestattung. So ist man dem "ganzen" Menschen, der derjenige einmal war und der dort unten in der Gruft liegt, doch schon näher ...
    Aber sonst denke ich natürlich auch an meine Grußmutti, meinen Vater auch "so" - egal wo auch immer ... doch der Friedhof ist eben ein besonderer Ort, das Grab, eben die Stätte, wo Gebeine meiner Lieben "liegen". Leider sind die Friedhöfe heute oft auch nicht mehr das, was sie mal waren. Es ist oft zu laut und die schönen alten Bäume werden abgeholt, vieles sieht kahl aus und öd. Früher war es eher ein Ort zum Nachdenken, Abschalten, Besinnen ... heutzutage laufen dort viel mehr Leute herum - aber so ändert sich eben alles auf der Welt ...

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  3. Liebe Ursel,
    das ist ein wunderschöner Post!
    Einen fröhlichen Herbsttag, Elke

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Ich freue mich über jede Nachricht von euch!
Grüßle
Ursel


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