page Rabenzeit - das Blog der Rabenfrau: Charlemagne - Karl der Große

Charlemagne - Karl der Große

02 Februar 2014


Karl der Große (Ausschnitt) von Albrecht Dürer (1471-1528)

Letzte Woche hat sich sein Todestag zum 1200. Mal gejährt, ein Grund, Kaiser Karl (742-814), der schon zu seinen Lebzeiten manchmal "der Große" genannt wurde, mal "literarisch auszubuddeln"! 

Ob Karl wohl so ausgesehen hat, wie ihn Albrecht Dürer (1471–1528) da portraitiert hat? Vielleicht eher nicht, denn der Überlieferung nach trug er, im Gegensatz zu den Herrschern der Merowinger, sein Haar gestutzt und dazu einen ordentlichen Schnurrbart. Groß war er aber wirklich: über 1,84 m. Das haben  inzwischen Forscher anhand eines Beinknochens ausgerechnet. Damit war er ungefähr 20 cm größer als der Rest der damaligen Männer. Und sonst?

Sein Schreiber Einhart hat eine Art Biographie über ihn verfasst, die lange als einzige Quelle über sein Leben genutzt wurde. Nun stellt er Karl allerdings eher als antiken Helden dar als als wirklichen Menschen. So kann also niemand sagen, ob seine Beschreibungen wirklich so stimmen, oder ob sie ein Idealbild darstellen.

Jedenfalls beschreibt Einhart seinen Kaiser als gut aussehenden Kerl mit festem Gang und edler Gestalt, recht sportlich, von recht freundlichem Wesen, großzügig und mit Humor gesegnet, er konnte aber wohl auch recht schnell wütend werden.

Meistens war Karl der Große anscheinend in normaler, nicht besonders prunkvoller, fränkischer Tracht mit Leinenhemd und -hose anzutreffen. Nur zu besonderen Gelegenheiten ließ er sich eleganter und kostbarer aufbrezeln.

Karl sei sehr gebildet gewesen, so heißt es. Er sprach wohl mehrere Sprachen und konnte jedenfalls lesen und vielleicht sogar schreiben. Er wusste eine Menge von den Wissenschaften seiner Zeit, holte Gelehrte aus vielen Ländern an seinen Hof und sorgte für eine regelrechte Bildungsreform in den Klöstern. 

Karolingische Minuskel, geschrieben von Manuel Strehl


Ihm ist es zu verdanken, dass antike Schriften abgeschrieben und damit erhalten werden konnten. Die Verbreitung der oben abgebildeten Karolingischen Minuskeln, die das Schreiben stark vereinfachten und die die Grundlage unserer heutigen Druckschrift darstellen, ist anscheinend auf Karl zurück zu führen. Seine Kinder, männlich wie weiblich, wurden alle in den Wissenschaften unterrichtet.


Er liebte die Frauen, und diese anscheinend ihn. 5 Ehefrauen hatte er, allerdings nacheinander (erinnert mich ein wenig an Henry VIII *ggg*): Himiltrud, Desiderata - der Name ist nicht wirklich überliefert, aber sie war eine Tochter des Langobardenkönigs Desiderius, Hildegard, Frastrada und Luitgard.  Wobei diese Damen ihm in sogenannter Muntehe verbunden waren, bei der Gefühle wohl normalerweise eher eine untergeordnete Rolle spielen. 

Nachher, zwischendurch und manchmal auch nebenher gab es auch noch 4 namentlich bekannte ( Madelgard, Gerswind, Regina und Adelind) sowie diverse heute nicht mehr bekannte Frauen. Ob sie nun allesamt seinem Charme erlegen sind oder ob seine Beliebtheit eher seinem Herrscherstatus geschuldet war, lässt sich heute natürlich nicht mehr feststellen. Jedenfalls hatte er mindestens 18 leibliche Kinder.

Seine Kinder lebten alle an seinem Hof und gingen auch, wie seine Frauen, mit ihm auf Reisen. Karls Töchter durften alle nicht heiraten. Ob Karl den Ehrgeiz eventueller Schwiegersöhne fürchtete, oder welche Gründe (Manche vermuten sogar inzestuöse Beziehungen) er sonst für dieses Verbot gehabt haben mochte, lässt sich wohl nicht mehr klären. Einige seiner Töchter gingen aber immerhin von der Kirche nicht anerkannte Friedelehen ein, aus denen auch (natürlich nicht erbberechtigte) Kinder hervor gingen.

Karls ganzes Leben war praktisch von Kriegen begleitet, mit 13 Jahren ging er zum ersten Mal auf einen Kriegszug, und als Herrscher führte er praktisch die ganze Zeit Krieg, 30 Jahre lang allein gegen die Sachsen. Es gelang ihm, die Grenzen seines Frankenreiches so weit auszudehnen, dass er, wenn er es gewollt hätte, in der Nordsee und im italienischen Mittelmeer hätte baden können, ohne seinen Herrschaftsbereich zu verlassen. Vielleicht hat er das sogar getan, denn er war, so wird berichtet, ein guter Schwimmer.

Bestand hatte sein Reich allerdings nicht, dann schon bald nach seinem Tod war es zerfallen, was wohl dem fränkischen Erbrecht, was kein Vorrecht es Älteren vorsah, geschuldet war, da es dadurch mehrmals geteilt wurde. Letzlich ist dieses auch die Ursache für die heutige Aufteilung Deutschlands in Bundesländer.



 

PS: Danke für eure Taschentücher und Genesungswünsche! Ich bin auf dem aufsteigenden Ast, was ihr auch an dem langen Sermon da oben seht. 

Leider bin ich etwas hustengeplagt, desterhalben musste ich den armen Rabenmann am Freitag auch alleine zum lustigen Kabarett schicken und daheim bleiben. Mist, man sollte für den Januar lieber keine Karten im Voraus besorgen...

Keine Kommentare :

Kommentar veröffentlichen

Ich freue mich über jede Nachricht von euch!
Grüßle
Ursel


Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...

Beliebte Posts