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Über Grünkohl

24 Februar 2015

Die Rabenfrau über Grünkohl
via Pixabay [LINK]

Letzte Woche hatten unsere Freunde zum Grünkohlessen geladen. Lecker war's! Wir hatten das Essen mehrmals verschieben müssen, weil immer wieder jemand mit Grippe darnieder lag. Das scheint dieses Jahr besonders schlimm zu sein. Auch unsere Bücherei arbeitet mit halber Besetzung. Hoffen wir mal, dass sich alle bald wieder berappeln.

Am Foto oben seht ihr ganz gut, warum man den Grünkohl/Braunkohl in meiner Heimat auch manchmal "Oldenburger Palme" nennt. Früher hat man ihn immer erst nach dem ersten Frost geerntet, heute übernimmt den Einfluss desselben auf den Wohlgeschmack meist die Tiefkühltruhe. Inzwischen gibt es aber auch neue Sorten, die gar keinen Frost mehr benötigen. Vertilgen tut man ihn auf jeden Fall in der kalten Jahreszeit (was wegen der gigantischen Fettmassen, die sich in einem Kohlgericht befinden, wohl auch besser so ist!), traditionell ist die Kohlsaison Ostern zu Ende.

Nach altem Brauch isst man Kohl in meiner alten Heimat am besten in Gesellschaft. Zudem lässt man ihn meist kochen, und zwar in einem Gasthaus, vorzugsweise in einem Landgasthof. Die letzte Etappe dorthin wird auf jeden Fall per pedes zurück gelegt, wobei man - selbstverständlich nur als Kälteschutz - undbedingt Alkohöllisches dabei haben muss. Transportiert werden die Buddeln dabb oft auf einem Handwagen (ähnlich wie bei Vatertagstouren), trinken tut man dann aus einem Eierbecher, den jeder an einem Band um den Hals trägt. Oft wird auf dem Weg noch geboßelt [LINK], oder auch mit einem riesigen Schaumstoffwürfel gewürfelt (bei jeder 6 oder 1 gibt's einen Schnaps für jeden). So eine Veranstaltung nennt sich dann "Kohlfahrt" oder auch "Kohl-und-Pinkel-Fahrt", veranstaltet werden diese Fahrten gerne von Firmen als Betriebsausflug, von Freundesgruppen oder bei Familientreffen.

Die Rabenfrau über Grünkohl
Sorry, grausliges Handyfoto
Das hatte ich letzte Woche auf dem Teller, als wir zum Kohlessen eingeladen waren.

Für mich gehört zu Braunem Kohl auf jedem Fall Pinkel. Der Name hat eigentlich nichts mit Pin...n zu tun, und vermutlich auch nichts mit "feiner Pinkel" (eitler Mensch) zu tun. Wie er zustande gekommen ist, hat die Wissenschaft noch nicht so genau klären können. Vielleicht kommt er von den alten Wörtern Püngel oder Pünkel, die "zusammengedrängte Masse" oder "kurzer, dicker Gegenstand" bedeuten sollen. Oder auch vom Mastdarm des Rindes oder des Schweins, der auch "Pinkeldarm" heißt, in den die Wurstmasse gestopft wird. Jedenfalls ist es eine besondere Wurst, die man heutzutage eher fertig beim Schlachter kauft, als sie selber herzustellen. Die Bremer Pinkel besteht zum Großteil aus Hafergrütze, die mit fettem Speck und Gewürzen und (vermutlich) noch ordentlich Fett in die Wurstpelle gestopft wird. Letztere ist essbar, meistens werden die Pinkelwürste aber ausgezubbelt und die Pelle entsorgt.

Hier im Süden bekommt man solche Pinkelwürste leider bloß als "Privat-Importware" aus dem Norden.  Unser Freund hatte sich welche aus Bremerhaven von der Familie schicken lassen. Ansonsten muss man halt selber zur Tat schreiten. Rezept hier: [LINK]

Der Kohl wird traditionell mit einem Haufen Enten- oder Gänseschmalz zubereitet. Es ist eine recht umständliche Sache, weil er durch das Kochen unglaublich zusammenfällt. Man muss praktisch ganze Badewannen davon verarbeiten. Deswegen bevorzugen es die meisten Hausfrauen und -männer, Kohl tiefgekühlt einzukaufen. Im Norden gibt es auch bei vielen Schlachtern schon fertig gekochten Kohl in großen Plastik-Würsten. 

Mitgekocht wird mindestens eine ausgedrückte Pinkel (+ noch eine komplette, aufgewärmte Pinkel für jeden), außerdem meistens Kassler oder Nackenbraten und/oder noch andere Kochwürste. Dazu gibt es bei uns Salzkartoffeln, mancherorts auch Bratkartoffeln.

Das ganze Fett kann man natürlich, wie man auch an den kleinen Gläschen oben im Bild sieht, eigentlich nur mit einem "ooorndlichen Köhm" vorweg und hinterher (oder auch zwei, denn "auf einem Bein kann man ja nich steh'n") verdauen. Trotzdem ist man nach einem Kohl-Essen meist ganz schön genudelt und darf eigentlich nie mehr was essen!

Rezepte findet man bei Chefkoch,zum Beispiel hier [LINK]


Kommentare :

  1. Hoff.. ich bin schon vom Lesen ganz satt..
    ich muss ehrlich sagen: Kohl (inw elcher Form auch immer) ist etwas das es bei uns nur als Kohlroulade gab... fertig.. sonst kein Kohl...
    Ich steh im Supermarkt oft vor dem Kohl udn denk mir: was macht man denn damit... hmmmmmmm..
    Ganz viele liebe Grüße

    Franzy

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  2. Lecker, lecker, lecker!
    Liebe Grüße,
    Markus

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  3. Jetzt hat's mich auch erwischt, liebe Ursel, zwar nicht arg, aber immerhin ...
    Grünkohl mag ich auch, allerdings vegetarisch.
    Kohl ist ja sehr gesund - bei uns gibt es alle Arten von Kohl abwechselnd ...
    Liebe Grüße
    Sara

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Ich freue mich über jede Nachricht von euch!
Grüßle
Ursel


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