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Gelesen: Gloria und die Liebenden von Verona, von Marlene Klaus

12 Mai 2015


Verfasser: Marlene Klaus

Titel:  Gloria und die Liebenden von Verona

Inhalt:  Gloria ist nach dem Tod ihres Geliebten auf Reisen, um auf andere Gedanken zu kommen. Da kommen ihr eine verzweifelte Frau, ein toter Duellant und ein arroganter Lord in die Quere...



Rabenmeinung: Baker-Street-Bibliothek... Dieses Label hat mich neugierig gemacht, denn Sherlock Holmes Abenteuer kenne ich natürlich.  Ein viktorianischer Krimi sollte es sein! Ich war gespannt!

Schon die hübsche Aufmachung des Buches wirkt irgendwie viktorianisch. Auf dem Cover ist die Brücke von Verona abgebildet, die dann auch als Zeichnung vor jedem Kapitel auftaucht. Der Schnitt ist hübsch dunkelrot eingefärbt. Fast, als handele es sich wirklich um ein Buch aus der damaligen Zeit.

Man wird gleich mitten hinein versetzt ins Geschehen. Lady Gloria, die offensichtlich eine sehr schlimme Zeit hinter sich  hat, und ihre Tante Josephine sind in Italien unterwegs und gerade ein wenig gelangweilt von einem Herrn, der mit ihnen in der Kutsche reist, als plötzlich eine junge, tränenüberströmte Italienerin in den Weg springt, die die Damen um Hilfe bittet. Sie berichtet von einem Duell und es habe einen Toten gegeben. Zudem sei ihr Verlobter nun verschwunden.

Gloria ist schockiert.   Sie fühlt sich an ihr eigenes Schicksal (es kommt nach und nach immer mehr zutage) erinnert und beschließt, sich näher mit dem Fall zu befassen und zu seiner Aufklärung beizutragen.  Unterdessen kommt noch ein Engländer am Ort des Geschehens vorbei. Es ist Lord Lyndon. Die beiden Damen kennen ihn bereits als ziemlich arroganten Kerl. Er versucht sofort, Gloria  auf recht selbstherrliche Art und Weise von ihrem Vorhaben abzubringen. Solche Dinge sind sehr unpassend für zartbesaitete Ladys, findet er.

Doch die eigensinnige Gloria lässt sich nicht die Butter vom Brot nehmen. Sie ist für die damalige Zeit sehr selbständig.  Mit Charme und Intelligenz umgarnt sie den Gentleman, der sich am Ende doch als sympathisch und hilfsbereit erweist und der auch seinerseits erkennt, dass Frauen nicht bloß Zierpüppchen sind und Interesse an der selbstbewussten Gloria entwickelt. Die beiden, unterstützt von Glorias Tante, machen sich gemeinsam an die Aufklärung des Falles, denn die Polizei ist, wie bei vielen solcher Krimis, mal wieder recht schwerfällig, unfähig, und natürlich nicht sehr begeistert über die Ausländer, die sich da in ihre Arbeit einmischen.

Der verschwundene Verlobte taucht schließlich wieder auf und wird alsbald wegen Mordes verhaftet. Doch ist er wirklich der Schuldige? Seine Verlobte glaubt fest an seine Unschuld. Auch Gloria und „ihr“ Lord sind nicht von seiner Schuld überzeugt und beginnen, den Ablauf der Geschichte zu untersuchen.

Zwischendurch wird einem noch die Stadt Verona nahegebracht, man wandelt mit Gloria und ihrer Tante auf den Spuren eines Baedeckers, der wirklich damals schon erschienen war. Die idyllischen Gassen und das Treiben darin werden sehr authentisch beschrieben. Man bekommt Lust, dorthin zu reisen,  die Stadt selber zu erkunden und festzustellen, ob es dort wohl immer noch so aussieht.

Die Lösung des Kriminalfalls und die Enttarnung des Mörders ist schließlich doch recht überraschend. Ehrlich, ich wäre nicht auf die Person gekommen, obwohl es schon den einen oder anderen Hinweis gab, dass vielleicht nicht alles so war, wie es die Leute, die Gloria und der Lord bei ihren Ermittlungen kennen lernen, erzählt haben.

Die Protagonisten sind gut dargestellt, und nach und nach lernt man sie und ihr (natürlich dramatisches) Schicksal näher kennen. Alle benehmen sich so wie in einem echten viktorianischen Roman, wenn mir auch Lady Gloria ein kleines Bisschen zu emanzipiert erscheint und auch ihre Tante nicht unbedingt typisch ist für eine viktorianische Lady.  Trotzdem wird die Lebensweise von damals ganz gut dargestellt.  Insgesamt erinnert mich das Buch ein bisschen an die Romane von Georgette Heyer, die ich früher sehr gerne gelesen habe, diese erscheinen mir aber doch noch authentischer als "Gloria und die Liebenden von Verona".

Eigentlich erwartet man bei so einem Roman ja ein Happy End für die Helden, das bleibt allerdings offen. Aber vielleicht wird das ja noch, denn am Ende steht sehr vielversprechend: Fortsetzung folgt!

Ich vergebe:

(4 Sterne)

Vielen Dank an Blogg dein Buch und an den Dryas-Verlag!

Gehabt euch wohl!



Kommentare :

  1. Na, das hört sich doch ganz gut an, liebe Ursel! Keine grauenvollen Details abartiger Morde, wie wir sie in den letzten Jahren vor allem von den Skandinaviern vorgesetzt bekamen (ich kann so etwas einfach nicht mehr lesen), sondern ein bisschen Baker Street, ein schöner Schauplatz, was will man mehr? Nun frage ich mich nur noch, ob ich das Buch als Hardcover kaufe wegen der von dir gelobten schönen Aufmachung mit dem dunkelroten Schnitt (hach, so etwas liebe ich ja, aber noch ein Staubfänger?) oder doch lieber zum - noch dazu deutlich günstigeren - Ebook greife? Schwer ;-)
    Im Moment lese ich ganz gerne Krimis, die in Italien spielen. Gerade habe ich "Venezianische Delikatessen" als Ebook beendet und mir gleich den Vorgängerroman dazu bestellt. Kommissar Brassoni gefällt mir sogar besser als Brunetti, weil nicht soviele Stereotypen drin vorkommen wie der ewig dusslige, eitle Chef, und weil er menschlicher dargestellt wird.

    Wir fahren ja im Sommer wieder einmal in die Gegend von Venedig, und so kann ich schon jetzt in die einzigartige Atmosphäre dieser Stadt eintauchen und mich der Vorfreude hingeben.

    Einen schönen Feiertag und danke für die Buchvorstellung!

    Angelika

    Ach ja, wollte dir noch berichten, dass deine Kartoffelsuppe, die ich vor kurzem mal wieder gekocht habe, auch meiner Mutter, die eine sehr gute Köchin ist, vorzüglich geschmeckt hat. Mit den Speckwürfeln drin, die sich ja nicht ganz beim Pürieren auflösen, ist die aber auch einfach zu lecker!

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  2. Herzlichen Dank für die schöne Zusammenfassung und Beurteilung meines Romans, liebe Ursel!
    Für mich als Schriftstellerin ist es sehr hilfreich, zu sehen, wie meine Figuren und das Umfeld, in dem sie agieren, aufgenommen werden!
    Und @Angelika: Für Ihren Sommerurlaub in Venedig und Italien ist "Gloria" die absolut beste Lektüre *schmunzel*!
    Herzliche Grüße
    Marlene Klaus

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Ich freue mich über jede Nachricht von euch!
Grüßle
Ursel


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