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Kleine Gartengeschichte I - Antike, Parks und Klostgergärten

09 Juli 2015

Heutzutage wird der Garten ja meistens als zweites Wohnzimmer angesehen. Das war nicht immer so, aber trotzdem ist die Idee, einen Garten anzulegen, schon ziemlich alt.

Das Wort "Garten" kommt von Gerte, was Weiden- oder Haselnussruten bedeutet. Früher hat man aus ihnen geflochtene Umfriedungen hergestellt.


Schon in der Urzeit gab es Anbauflächen. Mangels Pflug hat man sie damals mit der Hacke bearbeitet, und die Flächen hatten etwa die Größe unserer Blumenbeete. Sie dienten vermutlich eher dem Nahrungsanbau als dem hübschen Anblick. Aber wer weiß? Vielleicht stand ja auch schon damals immer mal wieder ein Blümchen zwischen den Nutzpflanzen.

Gärten im alten Ägypten


Die Rabenfrau: Garten im alten Ägypten


Schon im alten Ägypten (um 3000 v. Chr.) wurden echte Gärten angelegt. Man weiß das aus Wandmalereien, z. B. in Gräbern. Vor allem wohl zu Ehren der Götter und der Toten, mit streng gleichförmig gepflanzten heilige Bäumen, später auch aufwändiger und reichhaltiger. Auf dem Höhepunkt war die altägyptische Gartenkunst während des Neuen Reiches zwischen 1550 und 1080 v. Chr.


 

Die Gärten der Assyrer

Ob es "Die hängenden Gärten der Semiramis" wirklich gegeben hat, und wenn ja, ob sie von ihr oder von Nebukadnezar II. angelegt wurden, ist unklar. Es gibt nur Überlieferungen, in denen von aufwändig gestalteten Gartenanlagen berichtet wird, die als eine Art terassierte Dachgärten gestaltet worden sein sollen, und die künstlich bewässert werden konnten. Bei Ausgrabungen hat man tatsächlich Anlagen gefunden, bei denen es sich um derartige Gärten, aber ebenso gut auch um etwas ganz Anderes handeln könnte. Vielleicht sind die alten Berichte nur fantastisch ausgeschmückte Berichtte über nicht öffentliche Gartenteile des Nebukadnezar.

Doch kunstvoll angelegte Gärten gab es wohl damals wirklich, im Gilgamesch-Epos liest man von Gärten in Uruk, und viele damalige Herrscher haben Inschriften über ihre Gärten hinterlassen, aus denen man schließen kann, dass damals sogar schon Pflanzen aus fernen Ländern importiert wurden.

Persische Gärten

Als die Perser 539 v. Chr. Mesopotamien erobert hatten,  übernahmen sie die Gartenkultur der Baylonier und Assyrer. Paradaidha oder Pairidaeza nannten die Perser ihre Gärten, was eigentlich, wie unser Wort "Garten" nur auf eine Umfriedung hin deutet, sich aber schließlich zum "Paradies" weiter entwickelt hat. In Persien war Gartenbau ein Grundbestandteil der Kultur, auf Grund des heißen Klimas hatte man eine Vorliebe für Wasserbecken und Schattenplätze. Man hat inzwischen den Garten des Kyros des Großen (559 - 529 v. Chr.) ausgegraben, der dermaleinst wunderschön gewesen sein muss.

Griechische Gärten

Sie wurden schon in der Odyssee beschrieben, und bei Ausgrabungen am Athener Marktplatz fand man Pflanzlöcher für Bäume. Angeblich um 401 v. Chr. hat der griechische Dichter Xenophon sich als erster einen Wildpark anlegen lassen, nachdem er persische Gärten gesehen hatte. Dieser Park hat wohl noch über 500 Jahre später bestanden und war der erste künstlich angelegte Park in Europa.

Römische Gärten


 Der römische Lebensstil in Luxus und Pomp spiegelte sich auch in den römischen Gärten wider. Vorbild waren ägyptische, persische und griechische Gärten, und man dekorierte üppig mit Skulpturen (teils mit griechischen Originalen - Kriegsbeute! - teil mit neu angefertigten Kopien),  Wasserspielen, Blumenrabatten und Hecken, die teilweise bereits in Form von Labyrinthen angepflanzt und in Form geschnitten wurden. Die üppigen Gärten konnten nur durch die römischen Sklaven, die in jedem Haushalt schuften mussten, in Schuss gehalten werden.

Es gab damals sogar schon Gärtnereien mit Gewächshäusern, in denen man Pflanzen züchtete aber auch aus dem Ausland importierte, um die Landgüter damit zu beliefern.

Klostergärten



Die Rabenfrau: Kreuzgarten in Blaubeuren
Mönche nahmen die Tradition der römischen Gärten auf und bauten zunächst nur Nutz- und Heilpflanzen in ihren Gärten an, ab dem Hochmittelalter gab es dann auch die ersten Ziergärten, die der Kontemplation dienen sollten. Dabei wurde streng auf christliche Symbolik geachtet. Jede Pflanze, die dort angebaut wurde, hatte  eine religiöse Bedeutung und bekam statt der volkstümlichen Namen oft eine christianisierte Bezeichnung. Es war genau festgelegt, wie die Beete angelegt werden sollten, und  die Landgüterverordnung Karls des Großen legte fest, welche Pflanzen angebaut werden sollten. Der ganze "Hortulus conclusius" (= geschlossener Garten) war ein Symbol für das Paradies.

Außerklerikale Gärten


Die Rabenfrau: Garten vom Heidelberger Schloss
Erst in Renaissance und Barock legte man weltliche Parkanlagen  an, die ersten entstanden in Italien, weshalb man sie häufig auch Italienische Gärten nennt. Die Entwicklung dieser Gärten hing damit zusammen, dass die mittelalterlichen Burgen langsam luxuriöseren Schlössern und Villen wichen, die mehr der Repräsentation als der Verteidigung dienten.   Die Gärten wurden zunächst bei vorhandenen Stadtschlössern und bei neuen Landvillen angelegt. Da diese in Italien meistens am Hang standen, gestaltete man die Gärten zwangsläufig in Terassen, was dann überall nachgeahmt wurde.

Vorbild waren die Gärten der Antike, von denen Beschreibungen überliefert waren, denn die Antike war damals plötzlich insgesamt sehr modern. Die Gärten waren sehr groß und beinhalteten  Ackerflächen, Weinberge, Obstplantagen und künstliche Seen. Sie waren sehr geordnet angelegt, es gab Treppen, antik wirkende Skulpturen (ob Gartenzwerge davon ein Überrest sind? Es gab sie nämlch bereits im Barockgarten, wieman am Salzburger Mirabellgarten sehen kann) und Wasserspiele, die immer aufwändiger gestaltet wurden. Natur und Landschaft  sollten mit Architektur und Kunst ein harmonisches Ganzes bilden.

Die Renaissancegärten wurden in verschiedenen Ländern unterschiedlich ausgeführt, abhängig von den Gegebenheiten und den Vorlieben der Besitzer.

In den Barockgärten wurde der Manierismus auf die Spitze getrieben, die Natur wurde quasi der Gartenkunst unterworfen und vollends in geometrische Formen gezwungen. Es gab noch mehr Wasserspiele, noch mehr Skulpturen und noch mehr Zierdinge, wie zum Beispiel künstliche Grotten.

Englischer Landschafts-Park

Diese Gartenform entwickelte sich im England des 18. Jhdts als bewusster Kontrast zu den geometrisch geordneten Gärten der Renaissance und des Barock. Ein  englischer Gartten sollte wirken wie ein Stück Natur, mit gewundenen Wegen und Flüssen, großen Rasenflächen und fantastischen Durchblicken. In Wirklichkeit herrscht aber auchh hier nicht die Natur, sondern er ist ein Kunstwerk, quasi ein begehbares Gartengemälde mit idealen, der Natur nachempfundenen Formen.

Gegen Ende des 19. Jhdts begeisterte man sich für gotische Gebäude, es wurden vielfach neugotische "Ruinen" integriert, und manchmals sogar "Schmuckeremiten", professionelle "Einsiedler", die in den Gärten  in eigens errichteten Eremitagen lebten und sich vertragsmäßig zu bestimmten Zeiten im Garten zeigen mussten, um die Gartenbesitzer und ihre Gäste zu unterhalten.


Fortsetzung folgt!



1 Kommentar :

  1. Wieder was gelernt.
    danke für die toll Recherchierten Infos.
    Jetzt weiß ich endlich, dass ich meine ignes kleines Paradies vor der Tür habe :)

    Viele liebe Grüße

    Franzy

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Ich freue mich über jede Nachricht von euch!
Grüßle
Ursel


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