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Kleine Gartengeschichte II - Privatgärten

11 Juli 2015

Bauern- und Cottagegärten

Bauerngärten hatten vor dem 19. Jhdt. nichts gemein mit den üppigen Bauern- und Cottagegärten unserer Tage. Sie waren, so denn überhaupt vorhanden,  viel zu armselig und dienten nur dem Anbau von Nahrung, wenn sich vielleicht auch das eine oder andere Blümchen hinein verirrte.  Ebenso war es mit den Cottage-Gärten in England, die den Landarbeitern zur zusätzlichen Nahrungsproduktion dienten.

Praktisch waren die Gärten der Pastoren, Lehrer und Apotheker die Vorläufer der kleineren Privatgärten. Sie entstanden aus der Not heraus, weil die Einkünfte zu gering waren, um ohne Nebeneinkünfte über die Runden zu kommen, dennoch hatten diese Leute das Wissen und die Zeit, einen Garten anzulegen.

Natürlich ließen sie sich von den Klostergärten wohl beeinflussen, aber es gab eigentlich keine einheitliche Gestaltung, bis Anfang des 19. Jhdts in Hamburg im Botanischen Garten ein "Idealer Bauerngarten" gestaltet wurde. Überwiegend enthielt er Gemüse- und Heilpflanzen und war eigentlich eine Inszenierung aus pädagogischen Gründen.

Biedermeiergärten

Die Gärten im Biedermeier waren für die heutige Gartengestaltung sehr wichtig, obwohl kaum einer von ihnen erhalten geblieben ist. Man weiß von ihnen aus vielen Beschreibungen und von Gemälden. Natürlich waren Biedermeiergärten viel kleiner als Renaissance-Gärten und Landschaftsparks. Ein Biedermeiergarten musste nicht mehr nur "nützlich" sein wie ein Bauerngarten, die Menschen entdeckten plötzlich den Gartenbau als Hobby, wer keinen Garten hatte, besaß wenigstens Blumenkästen, und das häusliche Leben verlagerte sich nach draußen.

 Typisch für Biedermeiergärten:
  • Wie die Klostergärten waren sie nach außen geschlossen durch Mauern, Hecken oder Zäune.
  • Vielfach gab es Glashäuser, Wintergärten und Lauben
  • oft symmetrisch angelegte, aber auch unregelmäßig geformte üppig bepflanzte Beete, eingefasst mit Pflanzstreifen (Buxbaum) oder eisernen, verzierten Bögen, manchmal auch mit Backsteinen
  • Anbau von Obst, Gemüse und Blumen
  • Möblierung für Geselligkeiten und häusliches Leben, es gab sogar schon (bunt angestrichene) Spielgeräte für die Kinder

Schrebergärten


Eigentlich hatte Herr Schreber mit der Erfindung des gleichnamigen Gartens gar nichts zu tun, er war nur der Namensgeber, als Mitte des 19. Jhdts. sein Mitstreiter, Schuldirektor Hausschild zusammen mit den Eltern seiner Schüler einen Schul- und Erziehungsverein gründete. In Leibzig eröffnete man den ersten "Schreberplatz", auf dem Fabrikarbeiterkinder unter pädagogischer Betreuung spielen und turnen sollten. 

Später wurden dort auch Gärten angelegt, in denen sich die Kinder sinnvoll beschäftigen sollten. Die "Kinderbeete" wurden schnell zu "Familienbeeten", die dann parzelliert und umzäunt zu Refugien für die ganze Familie wurden. Von nun an hießen sie "Schrebergärten", und bald darauf gab es eine Vereinssatzung, es wurden Lauben und Geräteschuppen errichtet. Ende des 19. Jhdts. existierten bereits 14 weitere Schrebervereine in Leibzig.

Vor allem nach dem 2. Weltkrieg erhielt die "Laubenpieper-Bewegung" Aufschwung, denn überall in Europa wurden nun solche Gebiete ausgewiesen, um die Ernährungslage der Bevölkerung zu verbessen. Wegen der in Deutschland damals herrschenden Wohnungsnot haben die Pächter die Gartenlauben damals oft unerlaubterweise so erweitert, dass sie mehr oder weniger provisorisch darin wohnen konnten. Dieses wurde offiziell geduldet und den Bewohnern ein lebenslanges Wohnrecht zugestanden. Deswegen gibt es auch heute noch in vielen Kleingartenanlagen feste Häuschen, obwohl das eigentlich nicht erlaubt ist.

Entgegen der ursprünglichen Intention (Anbau von Obst und Gemüse) findet man in den Kleingartenanlagen heute auch oft hübsche Blumengärten nach Art der Cottage-Gärten in England.



Kommentare :

  1. Wieder was gelernt!
    Schönes Wochenende
    Andrea

    AntwortenLöschen
  2. So einen Biedermaiergarten wünsch ich mir auch... hab mir einige Bilder angesehen und großen Gefallen daran gefunden :)

    Viele liebe Grüße


    Franzy

    AntwortenLöschen

Ich freue mich über jede Nachricht von euch!
Grüßle
Ursel


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