page Rabenzeit - das Blog der Rabenfrau: Fleisch! Oder doch nicht?

Fleisch! Oder doch nicht?

06 Januar 2016


Jeden Tag essen die meisten Deutschen Fleisch. Diese Meldung kam heute im Radio. Vorwurfsvoll. Als wäre man als "Fleischesser" auf jeden Fall ein schlechter Mensch.
Die meisten Menschen essen also jeden Tag Fleisch. Über die verzehrte Menge sagt dieser Satz aber in Wirklichkeit doch nicht viel aus. Wir Raben zum Beispiel haben seit Sonntag diese Woche bisher tatsächlich jeden Tag Fleisch gegessen. Am Wochenende gab es Geschnetzeltes. Montag hatten wir Toast Hawai, das heißt, jeder bekam 3 kleine Scheiben gekochten Schinken. Heute kochte der Rabenmann einen Wirsingeintopf, in dem insgesamt ungefähr 300 g Fleisch waren. Dieser Eintopf reicht uns beiden allerdings auch noch für Donnerstag. Heute gibt es tatsächlich schon wieder ein Fleischgericht, diesmal tatsächlich mit Fleisch satt (Süßes Fleisch [RabenLINK]. Freitag gibt es Fisch und Samstag weiß ich noch nicht. Nächste Woche gibt es vielleicht mehr Gemüse und mehr "Veggie-Days". Wurst oder Schinken haben wir nur selten mal im Kühlschrank, vielleicht so einmal im Monat, wenn überhaupt.  Oft essen wir Gemüsegerichte, gerne mit Käse oder Eiern, ab und zu aber doch mit etwas Fleisch.

Ist das nun viel Fleisch? Müssen wir ein schlechtes Gewissen haben? Manchmal denke ich schon darüber nach. Schließlich bin ich ziemlich sicher, dass ich  auf keinen Fall  selber ein Tier schlachten könnte. Meine Oma konnte das noch, sie hat höchst perselblich unseren Hühnern den Hals umgedreht. Echt! Ich dagegen bin sehr dankbar, dass das unser Metzger für mich erledigt. Ansonsten müsste ich wohl doch zum Vegetarier werden. Oder gleich zum Veganer...

Sind Fleischfresser die schlechteren Menschen?

Veganer möchten tatsächlich überhaupt nichts verwenden, was irgendwie mit Tieren zu tun hat. Die armen Viecher tun ihnen so Leid, sagen sie. 


Klar, auch ich mag beim Anblick dieser netten Kälbchen nicht daran denken, dass sie vielleicht demnächst auf der Schlachtbank landen. Die Veganer begnügen sich mit rein pflanzlichen Erzeugnissen und würden auch nie im Leben eine Ledertasche benutzen oder Lederschuhe tragen. Auch Eier, Käse und Milch verschmähen sie, denn das würde "den armen Tieren weg genommen". 

Ermorden wir das Gemüse denn nicht, wenn wir es in Stücke schneiden und kochen? Der Zellularbiologe Frantisek Baluska von der Universität Bonn ist jedenfalls davon überzeugt, dass Pflanzen riechen, schmecken, sehen, hören und sogar kommunizieren können. Schreit eine Möhre vielleicht doch, wenn wir sie aus der Erde ziehen? 


Sollten wir vielleicht alle Fructaner (oder Frutarier) werden? Diese essen prinzipiell nur Pflanzenteuile, bei deren Ernte die Pflanze nicht beschädigt wird. Nur, was eine Pflanze sozusagen freiwillig her gibt, kommt auf den Tisch eines Frutariers, also Getreide, Samen, Beeren, Früchte, Hülsenfrüchte. Aber Früchte sind doch die Samen der Pflanzen, also prinzipiell neues Leben .

Ich glaube wir kommen an der Tatsache nicht vorbei, dass wir durch unsere Ernährung, vegetarisch oder vegan oder auch mit Fleisch und Fisch, immer auf die eine oder andere Weise Leben vernichten. Fressen oder gefressen werden eben. Damit muss man sich vermutlich einfach abfinden.

Für Kinder und zum Beispiel schwangere Frauen, so sagen manche Ernährungsberater, stellt die vegetarische und besonders die vegane Lebensweise sogar ein Risiko dar. Ich denke, dass diese Ernährungsweise sehr viel mehr Wissen über Inhaltsstoffe und die besten Zusammenstellungen erfordert als eine gemischte Ernährung. Man muss auf jeden Fall sehr viel bewusster aussuchen, was man isst. Oft müssen fehlende Stoffe trotzdem durch Nahrungsergänzungsmittel aufgenommen werden, z. B. Vitamin B12. Sie sei keine "natürliche" Ernährung für Menschen, so heißt es. Man könne das schon an den Zähnen erkennen.

Gut, aber vegetarische Ernährung sei jedenfalls besser für die Umwelt, sagt man. Stimmt das denn wenigstens? Offensichtlich auch nicht so ganz, wie eine Studie der Carnegie Mellon Unsiversity in Pittsburg bewies. 




Die Auswirkungen einer Person auf die Umwelt sind bei Fleischernährung keineswegs geringer, so ergab diese Studie. Im Gegenteil! Viele unserer Gemüse benötigen sogar mehr Ressourcen pro Kalorie als Fleisch. Auberginen, Sellerie und Gurken schauen besonders schlecht aus im Vergleich zu Schweine- oder Hühnerfleisch. Wenn alle Menschen zu Vegetariern würden, ohne die Kalorienzufuhr zu vermindern, verbrauchten sie ernährungsbedingt etwa 43% mehr Energie, 16% mehr Wasser und verursachten 11 % mehr Emissionen, das fanden die Forscher heraus. Wenn die Kalorienzufuhr eingeschränkt würde, was für die meisten von uns sicher durchaus zu empfehlen wäre, würde immer noch 38% mehr Energie und 10 % mehr Wasser verbraucht,  und die Emissionen würden noch um 6% steigen.

Künstliches Fleisch

Schon vor ein paar Jahren ist es niederländischen Forschern gelungen, in Petrischalen aus Gewebeproben von Rindern echtes Muskelfleisch wachsen zu lassen und der staunenden Menschheit als Fleischbällchen zu präsentieren, die den Testern angeblich tatsächlich auch wie "richtiges" Fleisch geschmeckt haben sollen. Immerhin muss man dann kein ganzes Huhn mehr züchten, damit wir Hühnerbrust essen können. Kein Tier müsste mehr sterben für unseren Fleischgenuss. Ein merkwürdiges Gefühl habe ich dabei trotzdem. Aber eine Alternative ist das sowieso nicht, denn noch ist das Zukunftsmusik und viel zu teuer für den Markt.

Kaufen kann man bereits künstliches Fleisch, das aus Soja und anderen Pflanzenproteinen hergestellt wird, vegane Würstchen, Sojahack und ähnliches. Nur wenige dieser künstlichen Fleischersätze schmecken anscheinend wirklich. Außerdem enthalten sie meist sehr viele künstliche Zusätze, wie das sogenannte "Formfleisch", um das "Fleischgefühl" zu erzeugen, auf das auch Vegetarier und Veganer offenbar nicht verzichten möchten.

Was, um alles in der Welt dürfen wir denn überhaupt essen? 

  


Diese Forscher in Amerika untersuchten konventionell erzeugte Gemüse und Früchte. Ich bin sicher, wenn sie biologisch angebautes Gemüse getestet hätte, wären die Werte günstiger, noch besser vermutlich  bei selber angebautem Gemüse.  Wenn die Transportwege kürzer sind, ist der sogenannte CO2-Fußabdruck auf jeden Fall geringer, als wenn die Nahrung von sonstwoher heran geschafft werden muss, egal ob Gemüse, Obst oder Fleisch.  Vorausgesetzt, man verbraucht keine zusätzliche Energie bei der Lagerung. Andererseits müsste man eigentlich auch testen, wie die Bilanz bei Bio-Hühnern und Co. ausfällt. Vielleicht sieht es dann doch wieder so ähnlich aus.


Für mich und den Rabenmann ist es ist vor allem wichtig, sich regional und der Jahreszeit ensprechend (Irgendwann ab Frühling erfordert die Lagerung von heimischen Äpfeln in Kühlhäusern mehr Energie, als Äpfel von Übersee zu importieren. Wusstet ihr das?) zu ernähren, ob mit oder ohne Fleisch. Und man findet ja auch leckere Alternativen.Nein, ich muss nicht jeden Tag Fleisch auf dem Tisch haben. Dafür achte ich lieber darauf, woher es kommt. Die Tiere, von denen das billige Fleisch im Supermarkt kommt, können kein artgerechtes Leben gehabt haben. Da zahle ich lieber etwas mehr. Ich brauche im Dezember keine Erdbeeren und zum Weihnachtsessen  keinen Spargel. Salat schmeckt mir im Winter sowieso nicht besonders.
Von jedem etwas zu essen war schon immer gesünder als jedwede einseitige Ernährung. Schließlich sind wir keine Innuit, die mit extrem fleischhaltiger Nahrung auskommen, alldieweil sie lange mit wenig essbaren Pflanzen auskommen mussten. Regionale Vielfalt eben. Und vielleicht probieren wir doch mal Soja-Würstchen.

Das meint

Kommentare :

  1. Liebe Ursel,
    genau dieses Thema beschäftigt mich seit über einem Jahr! Ich hatte gedacht, dass man nur "Fleischfresser" oder Vegetarier oder Veganer sein kann. Heute geht die Tendenz zum Veganen, ich probiere immer mehr Gerichte ohne Sahne, Eier, Käse usw. und es schmeckt witzigerweise sehr sehr gut, aber nur, weil ich Bio-Produkte nehme. Irgendwann findet man diesen gemüsigen Gschmack auch besser als den fleischlichen... das dauert aber:-))Ich habe auch ganz viel darüber gelesen und tue es heute noch, entdecke leckere Alterativen zum Tierischen. Übrigens brauchst Du keine Nahrungsergänzungsmittel. B12 ist z.B. in Sanddorn drin und in einigen Beeren. Es kommen auch einige "fremde"Zutaten auf den Tisch, die ich vorher nicht kannte, aber eben sehr gut schmecken und auch gut tun. Heute fühle ich mich wesentlich energiegeladener und fitter. Das Problem bei Fleisch ist nicht der Preis. Auch wenn Du bereit bist, mehr zu zahlen, geht es diesen Tieren nicht besser, aber das Schlimmst ist für mich eben die Schlachtung....minutenlang ringen diese Tiere in den Gaskammern mit dem Tod, oft kommen sie japsend da raus und werden bei lebendigem Leib aufgeschlitzt...nix mit schnellem Tod durch Bolzenschußgerät, die Zeiten sind vorbei. Es ist also nichts im Fleisch, was uns gut tut...weder die (Stress)Hormone, noch Antibiotika, noch die krankhaften Prozesse der Leber und Niere durchs Mästen, noch diese multiresistenten Keime, die für Menschen oft tödlich ausgehen,das alles macht uns nur krank. Mit dem ökologischen Fußabdruck habe ich überhaupt keine Probleme, solange Pauschaltouristen billig in jeden Winkel der Welt kutschiert werden und Flugbenzin nicht von Staats wegen besteuert wird, können die mich mal:-))Aber wie gesagt, es war kein einfacher Weg bis hierhin, aber es ist zu schaffen:-))
    Liebe Grüße
    Antje

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  2. Auch ich beschäftige mich mit Gedanken wie Du sie oben geschildert hast. Mir liegt dabei aber vor allem am Herzen, der Umwelt so viel Gift zu ersparen, wie es in meiner Macht liegt. Es ist so erschreckend wie sorglos man Gifte auf unsere Erde kippt um Gemüse zu ernten, dass dann zu viel ist und einfach entsorgt wird.
    Oft werde ich belächelt wie doof ich wäre und dass man mich hinters Licht führen würde, dass alles nur ein große Bio-Lüge sei.
    Ich antworte dann: Mag sein! Aber alleine die Chance dass ein paar Hersteller weniger Gift ausgebracht haben, ist es mir wert.

    Grundsätzlich halte ich es wie Ihr. Ich versuche sinnvoll saisonal und regional zu essen. Ganz auf Fleisch zu verzichten schaffe ich nicht, aber ich reduzierte es sehr, es ist jetzt etwas Besonderes für mich.

    Außerdem halte ich es für absolut wichtig niemandem meine Sicht aufs Auge zu drücken. Jeder muss für sich das Richtige finden. Es ist nämlich leicht jemanden zu verurteilen Billigfleisch zu konsumiieren, wenn man nicht weiß, dass derjenige nicht genug verdient um mit seiner Familie den Monat zu überstehen.

    Sich mit der Ernährung zu befassen führt zu vielen sozialen Aspekten und es ist unmöglich "das ultimativ Richtige" auszumachen.

    Liebe Grüße
    Manuela

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  3. Hallo Ursel
    Wir gehören zu den "Fleischessern". Ich könnte es mir im Moment nicht vorstellen, vollständig darauf zu verzichten. Natürlich gibt es auch bei uns Fleisch freie Tage. Die gehören einfach dazu. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass, wenn wir alles mit Mass konsumieren, saisonal und regional einkaufen, der Umwelt den grössten Nutzen bringen.
    Ich denke es braucht sehr viel Zeit sich das Wissen anzueignen wenn man sich z.B. vegan ernähren möchte. Dies scheint mir doch eine sehr komplexe Materie zu sein. Man muss ja schon sehr darauf achten, dass man keinen Mangel erleidet. Vor allem bei Kindern hätte ich persönlich meine Bedenken. Was ich vermutlich auch nie begreifen werde, warum brauchen Vegetarier/Veganer einen (optischen) Fleischersatz? Entweder ich esse Fleisch oder ich lasse es bleiben...
    Aber jeder wie er mag. Mir ist da der goldene Mittelweg der liebste.
    lg Gabriele ☼

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Ich freue mich über jede Nachricht von euch!
Grüßle
Ursel


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