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Weiße Weihnachten...

08 Dezember 2016


weisse-weihnachten-infantile-amnesie

Weiße Weihnachten

Natürlich träume ich auch von weißen Weihnachten. Früher war es doch auch immer so! Oder?

Nein, es war nicht so. Obwohl man das doch ganz genau so in Erinnerung hat. Sicher, weiße Weihnachten gab es damals wirklich, ab und zu halt, genau so oft oder so wenig wie heute. Hier bei uns in Deutschland haben wir nämlich meistens leider keinen Schnee zu Weihnachten, sondern regulär herrscht bei uns um den 24. Dezember herum eher Novemberwetter, der Westwind pustet milde Atlantikluft herbei, eventuell schon vorhandener Schnee schmilzt und es wird grau und nass. In der Zeit von 1951 bis 2008 gab es, so steht es in den Aufzeichnugen der Wetter"frösche", gerade mal 10% Weihnachten mit geschlossener Schneedecke, das bedeutet, ein einziges Mal in 10 Jahren hatten wir weiße Weihnachten!

Und wieso denken wir dann alle, früher sei es an Weihnachten immer knackig kalt und tief verschneit gewesen? Tja... "Infantile Amnesie" nennen die Psychologen das. Man hat sich Besonderheiten wie Weihnachten im Tiefschnee einfach besser gemerkt als so Langweiliges wie verregnete Weihnachtstage. Erinnerungen an weiße Weihnachten und diesbezügliche Erlebnisse wie Schneewanderungen, Eislaufen, Schlittenfahrten, graben sich auch deswegen so tief ins Gedächtnis, weil sie "prototypischen Vorstellungen" entsprechen, die wir alle vom Weihnachtsfest haben, verstärkt von den hübschen Schneelandschaftsbildern in Werbung, Medien und auf Weihnachtspostkarten.

Merkwürdigerweise erinnern sich sogar Kinder, die niemals in ihrem Leben ein Weihnachtsfest im Schnee hatten, an solche Erlebnisse. Das sind dann in Wirklichkeit "externe Erinnerungen", man hat sie aus Erzählungen und Bildern in sein eigenes Gedächtnis übernommen, als sei man selber dabei gewesen.

Manche Erinnerungen, die ich selber habe, finde ich in Fotoalben wieder, und dann weiß ich nicht, erinnere ich mich wirklich an das Erlebnis oder kenne ich es nur von dem eingeklebten Foto. In Experimenten hat man Kindern so zum Beispiel falsche Erinnerungen an eine Ballonfahrt verschafft, die sie dann im Nachhinein beim Erzählen sogar noch mit eigenen "Erlebnissen" ausgeschmückt haben.

Nochmal zurück zu Weihnachtskarten mit Schneelandschaften: Sie sind erst so um 1860 aufgekommen. Die Auswanderer in den US-Ostküstenstaaten schickten Weihnachten aus Neuengland und Neuschottland hübsche Schneewinterbilder in die Heimat und verbreiteten damit die ersten Trugbilder vom weißen Weihnachtsfest in unseren Herzen. Vorher waren auf den Weihnachtskarten eher herbstliche Landschaften zu sehen, so wie es eben bei uns in Wirklichkeit aussieht.

In Deutschland gab es zuletzt 1981 überall eine weiße Weihnacht, Heiligabend, Erster und Zweiter Weihnachtstag mit geschlossener Schneedecke allüberall! 2010 fiel dann nochmal genau an Heiligabend Neuschnee, der auch über die Weihnachtstage liegen geblieben ist.

Aber: Die Hoffnung stirbt zuletzt! Für alle Fälle habe ich mal ein Glas mit "eingemachtem Schnee" aufgestellt, damit ich wenigstens ein Bisschen Weiß sehen kann:

weisse-weihnachten-fake

Wegräumen kann ich es ja immer noch....

I am dreaming of a white Christmas...

1 Kommentar :

  1. Liebe Ursel,
    nachdem ich Deinen aktuellen Artikel gelesen habe, bin ich froh, Deinen Blog gefunden zu haben. Der Post ist sehr informativ und lesenswert. Meine Erinnerung an Weihnachten und Winter überhaupt ist eher trüb, wir hatten kaum Schnee und ich war jedes Jahr bitter enttäuscht, weil ich mir immer Schnee gewünscht habe. Und das ist immer noch so.
    Aber wird mir nicht auch dauernd erzählt, das läge an der globalen Erwärmung, dass Weihnachten nicht mehr so oft weiß ist? Wahrscheinlich habe ich das falsch verstanden.

    Ich wünsche Dir noch einen wundervollen Freitag.
    Viele liebe Grüße
    Wolfgang

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Ich freue mich über jede Nachricht von euch!
Grüßle
Ursel


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