page Rabenzeit - das Blog der Rabenfrau: Der allgemeine Zwang zum gesunden Leben

Der allgemeine Zwang zum gesunden Leben

05 Januar 2017



Wer krank ist, hat selber Schuld?
gesund-leben-wer-krank-wird-ist-selber-schuldWenn man so die gängigen Ratgeber liest, könnte man wirklich annehmen, dass Krankheit und Gesundheit völlig in der Hand des einzelnen Menschen liegt. Es heißt...

Um nicht krank zu werden, muss man nur:

  1. sich gesund ernähren
    • jeden Tag einen Apfel essen oder jedenfalls Obst
    • kein Obst essen, denn das macht dick!
    • nur "Bio" essen
    • kein rotes Fleisch essen
    • kein Schweinefleisch essen
    • kein Geflügelfleisch essen
    • gar kein Fleisch esse
    • Produkte tierischen Ursprungs ganz weg lassen
    • sich auf keinen Fall vegetarisch/vegan ernähren
    • Fisch essen
    • nicht zuviel Fisch essen
    • Nüsse und Mandeln essen
    • Nüsse und Mandeln lieber weg lassen, sie machen dick
    • viel Rohkost essen, denn Kochen "verdirbt" die Speisen (es gibt Menschen, die essen überhaupt nichts gekochtes!)
    • keine Rohkost essen, weil Kochen Speisen besser verträglich macht
    • nur bestimmte Öle verwenden
    • Butter weg lassen und stattdessen Margarine essen
    • Margarine ist nicht gut für den Körper, sie enthält gehärtete Fette
    • Nahrungsergänzungsmittel futtern
    • keine Nahrungsergänzungsmittel futtern
    • keinen Alkohol trinken
    • Anti-Alkoholiker sterben aber eher. Doch ein Glas Rotwein?
    • ballaststoffreich essen. Das könnte aber auch schlecht für den Darm sein!
    • Keine Kohlehydrate und auf jeden fall gar keinen Zucker essen
    • Fehlende Kohlehydrate sind schlecht für's Hirn!
    • Milch trinken
    • keine Milch trinken (nur für Babys wirklich verträglich)
    • regelmäßig fasten zur Entgiftung des Körpers
    • nicht fasten, der Körper muss nicht entgiftet werden
    • auf Lightprodukte umsteigen
    • keine Lightprodukte essen
  2. viel Sport treiben
  3. Sport ist Mord und führt häufig zu Verletzungen
  4. einen bestimmten Taillenumfang nicht überschreiten (Ähm, wie macht man das, bitte?)
  5. Diät machen und abnehmen
  6. keine Diät machen (Jojoeffekt!), und Abnehmen ist per se ungesund
  7. jeden Tag spazieren gehen
  8. häufig die Hände waschen
  9. die Hände nicht so oft waschen, das schädigt nämlich die Haut
  10. seine Umgebung desinfizieren
  11. auf keinen Fall Desinfektionsmittel verwenden
  12. zur Krebsvorsorge gehen, z. B. Mammographie
  13. nicht zur Mammographie gehen, das schürt nur Ängste
  14. Stress vermeiden
  15. Stress haben 
  16. Yoga machen
  17. kein Yoga machen (kann gefährlich sein, siehe ARD-Bericht: [LINK] und FAZ [LINK])
  18. Sich regelmäßig in die Sonne legen, einmal ist das gut für die Seele, und außerdem, damit der Organismus unter Einwirkung von Sonnenlicht Vitamin D eigenständig bilden kann
  19. Sich nie, nie, nie in die Sonne legen, das macht Hautkrebs, denn die Haut vergisst nie!
  20. ... usw. 
Wie man oben sehen kann, sind die Empfehlungen oft reichlich widersprüchlich. Wenn man das alles beachten wollte, kommt man auch vermutlich außer  zur Sorge für seinen Gesundheit eigentlich zu nichts anderem, schon gar nicht mehr zum Spaß am Leben. Manche Leute glauben, man würde sein Leben durch die Befolgung der Tipps nur um so viele Stunden verlängern, wie man für dieses Tun brauche. Andere meinen wirklich, man müsse möglichst viele Tipps befolgen, weil man sonst krank würde oder der Körper sonstwie leiden würde. Gerade bei der Ernährung sind inzwischen viele Menschen überaufmerksam. Sie kaufen nur Backwaren ohne Gluten und achten darauf, dass ihr Käse laktosefrei ist, obwohl kein Arzt ihnen eine Überempfindlichkeit dagegen bescheinigt hat. Sie glauben, es sei einfach grundsätzlich besser, sich auf diese Art zu ernähren. Vorauseilender Gehorsam ist das, finde ich!

Manche Leute sind wirklich der Auffassung, das jemand der richtig krank ist, quasi selber Schuld hat an seinem Unglück. Das war schon so, als ich noch häufig unter Migräne litt. "Du musst doch nur die Trigger weglassen!" so hieß es. Trigger sind angeblich: Rotwein, Käse, Schokolade und noch einiges andere. Jedenfalls alles Dinge, die das Leben schön machen und einem Genuss bereiten. Eine Weile habe ich das auch tatsächlich getan. Aber was soll ich sagen? Geholfen hat mir das nicht. Ich hatte genau so oft Migräne wie vorher auch, und die Anfälle waren auch genau so heftig. Irgendwann habe ich diese Diät dann wieder abgebrochen, was genau so wenig Effekt auf die Häufigkeit und Schwere der Migräneanfälle hatte.

Richtig schlimm finde ich es, wenn man beispielsweise Krebspatienten einredet, durch eine bessere Ernährung oder eine andere Lebenseinstellung hätten sie die Krankheit vermeiden können.

 Nein, ich will hier nicht zu hemmungslosem Alkoholgenuss oder täglicher Völlerei aufrufen. Dass das nicht gut sein kann für den Körper, weiß ja wohl jeder/jede selber. Auch, dass man den inneren Schweinehund besser ein bisschen an die Kandarre nehmen und nicht nur auf der Couch herum liegen sollte. Aber übertreiben sollte man es auch nicht, finde ich. Die Wahrheit liegt wohl, wie so oft, in der Mitte...



1 Kommentar :

  1. Ach das war ein richtig guter Post! :) Mir schwirrt auch manchmal der Kopf ob der vielen, stets neu verpackten Vorschläge, was man denn nun bitte noch tun könnte um alles richtig zu machen. Ich kenne sogar Leute, die so perfekt wie möglich leben und dann nicht darauf klar kommen, wenn sie eine Grippe heimsucht.
    Sicherlich ist es nicht verkehrt, ein wenig auf Lebensstil und Ernährung zu achten, aber wie sagte meine Freundin: Wir wollen ja nicht vital ins Grab joggen, sondern beschwipst mit einem Glas Sekt in der Hand und einem kleinen Hicks lachend hineintorkeln. :)
    Lieben Gruß
    Gabi

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Ich freue mich über jede Nachricht von euch!
Grüßle
Ursel


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