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Noch'n Gedicht: Winters Flucht

19 Februar 2017

Eigentlich ist es jetzt manchmal schon ganz schön draußen. Auch, wenn es noch nicht so richtig warm wird und oft am nächsten Tag schon wieder grau und grieselig ist, meldet der Frühling schon ab und zu Ansprüche an. Hier ist schon mal ein Gedicht darüber:

wintersflucht
BILD: LAURITZ ANDERSON-RING (1854-1933)

Winters Flucht


Dem Winter wird der Tag zu lang,
Ihn schreckt der Vögel Lustgesang;
Er horcht, und hört's mit Gram und Neid,
Und was er sieht, das tut ihm leid;
Er flieht der Sonne milden Schein,
Sein eigner Schatten macht ihm Pein;

Er wandelt über grüne Saat
Und Gras und Keime früh und spat:
Wo ist mein silberweißes Kleid?
Mein Hut, mit Demantstaub beschneit?
Er schämt sich wie ein Bettelmann,
Und läuft, was er nur laufen kann.

Und hinterdrein scherzt Jung und Alt
In Luft und Wasser, Feld und Wald;
Der Kiebitz schreit, die Biene summt,
Der Kuckuck ruft, der Käfer brummt;
Doch weil's noch fehlt an Spott und Hohn,
So quakt der Frosch vor Ostern schon.

                                   August Heinrich Hoffmann von Fallersleben, 1798-1874

Schönen Sonntag! 

1 Kommentar :

  1. Ein lustiges Gedicht. Wir waren gerade draußen und haben noch einige wenige Winterreste gesehen.
    Viele Grüße!

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Ich freue mich über jede Nachricht von euch!
Grüßle
Ursel


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