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Wetterzauber

29 Juni 2017

Wetterwissen aus früherer Zeit

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BILD: JOHN WILLIAM WATERHOUSE (1849-1917), Ausschnitt
Unsere Ahnen waren noch viel abhängiger vom Wetter als unsereiner, und es gab auch noch keine Wettermänner im Radio, die einem das Wetter für die kommenden Tage inzwischen doch recht zuverlässig ansagen. Viele Bauern kannten sich aber aus mit dem Wetter und konnten an diversen Vorzeichen erkennen, was da auf sie zu kam. Hier auf meiner Homepage könnt ihr die alten Bauernregeln nachlesen: [RabenLINK], und viele davon sind tatsächlich erstaunlich zutreffend. 

Beispielsweise die Regel vom Siebenschläfertag: Bei uns in Süddeutschland kommt es tatsächlich mit 60–70 %iger Wahrscheinlichkeit hin, dass das Wetter in den kommenden Wochen so bleibt wie am Siebenschläfer, in München trifft die Regel sogar in 80 % der Fälle zu, allerdings durch die Kalenderreform mit Verspätung, eigentlich ist er nämlich nicht am 27. Juni, sondern erst am 7. Juli.  Es hängt damit zusammen, dass sich die Großwetterlage normalerweise um Anfang Juli herum stabilisiert, abhängig vom Jetstream wird es schön oder regnerisch. 

Wetter machen


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BILD: JOHN WILLIAM WATERHOUSE (1849-1917), Ausschnitt
Früher glaubte man sogar, dass man mit allerlei abergläubischem Klimbim Einfluss nehmen könne auf das Wetter, wobei man dafür nicht einmal eine Hexe oder ein Magier sein musste. Ob die Leute wohl tatsächlich Erfolg damit hatten, sei mal dahin gestellt. Ich bin ja eher der Meinung, man muss das Wetter nehmen wie Verwandte, man kann sich beides nicht aussuchen...

  • Am Himmelfahrtstag sollt man ein Kränzchen Hahnenfuss ins Haus bringen, das sollte Wettersegen bringen.
  • An Mariä Himmelfahrt (15. August) gesammelte und geweihte (regional unterschiedlich zusammen gestellte) Kräutersträuße sollten, getrockinet und auf dem Dachboden aufhängt, vor Blitzschlag schützen. Man konnte bei Gewitter ein paar der Kräuter zu diesem Zweck auch ins Feuer werfen.
  • Ins Feuer werfen von Kräutern gegen Unwetter funktionierte angeblich auch mit Palmkätzchen oder Königskerzenblüten, vornehmlich nahm man dazu geweihte.
  • Hauswurzpflanzen (Sempervivum), auf's Dach gepflanzt, sollten ebenfalls vor Blitzeinschlägen schützen.
  • Ein Holunderbusch, den man direkt neben die Haustür pflanzte, sollte als Blitzableiter wirken.
  • Frauenmantel, mancherorts auch Gewittergras genannt, zu Kränzen gewunden und über der Haustür, den Fenstern oder am Dachfirst angenagelt, schützte das Haus vor Blitzschlag
  • Wenn man mittags seinen Teller nicht leeraß, so gab es am nächsten Tag schlechtes Wetter.
  • Wenn das Wetter gut war, musste man die Sonne loben, nicht das Wetter. So blieb es angeblich länger schön.
  • Katzen sollte man gut pflegen, dann hatte man am Waschtag immer gutes Wetter.
  • Seeleute durften an Bord nicht mit dem Mund pfeifen, das soll nämlich einen Sturm herbei rufen.
  • Auf Segelschiffen bringt Kratzen am  Mast bei Flaute guten Segelwind.
  • Für die Seeleute auf den Windjammern hat man früher manchmal den Wind in ein Seil geknotet. Bei Flaute konnten die Seemänner den Knoten dann öffnen und den Wind frei lassen. So ein Seil kann man sich angucken im Museum of Witchcraft, Boscastle -Cornwall, UK
  • Die alten Seebären glaubten, man könne Sturm vertreiben, wenn man den nackten Hintern in den Wind hält.
  • Mairegen machte einen groß (Ich sollte mich nächstes Jahr mal nach draußen stellen, wenn es dann regnet, vielleicht erreiche ich dann endlich die richtige Größe für mein Gewicht )
  • Das Läuten geweihter (Kirch-)Glocken half gegen Unwetter. Früher musste der Messner das immer machen, wenn Gewitterwolken aufzogen. Falls es doch nichts half, musste der Pfarrer mit der Monstranz vor die Kirche treten und den sogenannten "Wettersegen" erteilen. Wenn das Unwetter trotzdem Schäden anrichtete, wirkte das sich eventuell negativ auf die Einkünfte des Messners aus. Heutzutage gibt es immer noch Menschen, die daran glauben.
  • In manchen Gegenden fand man, dass die Kirchenglocken dafür nicht ausreichten, weil man sie nicht überall hören konnte, und errichtete auf den Feldern sogenannte "Wettertürme", in denen ebenfalls geweihte Glocken hingen, die bei Unwettern geläutet wurden.
  • Überhaupt sollte Lärm angeblich Unwetter vertreiben,  mit Peitschen knallen, mit Kuhglocken bimmeln, sogar Gewehrschüsse und spezielle Kanonen wurden eingesetzt gegen Hagel. Letzeres machen manche Obstbauern sogar heute noch.
  • Das Anrufen der sogenannten "Wetterheiligen", vor allem der Eisheiligen, sowie die hll. Barbara, Christophorus, Donatus, Georg, Johannes und Paulus, Medardus, oder Petrus (Letzterer steht als kulturgeschichtlicher Nachfolger des römischen Wettergottes Janus) sollte für gutes Wetter für die Bauern (aber vielleicht auch für uns?) sorgen.
  • In manchen Gegenden war es früher üblich, dass man Feuerhaken gegen die Wolken warf, das sollte Unwetter vertreiben. Manchmal warf wohl auch der Pfarrer seine Schuhe.
  • Regenwolken sollte man mit einem Männerhemd vertreiben können, in das Eichenblätter eingenäht wurden. Zu diesem Behufe musste man es über einen Baum hängen.
  • Am Gründonnerstag gelegte Eier (Antlasseier) warf man gerne mal bei Gewitter über das Haus, denn das sollte dieses vor Blitzschlag bewahren. Auch Karfreitagseiern wurde diese Fähigkeit zugesprochen, diese musste man allerdings in den  Karmin oder in die Dachrinne legen.
  • Gegen Unwetter und die Folgen davon sollte auch das Anzünden von geweihten Kerzen mit unterstützenden Gebeten helfen, die man immer noch an Walfahrtsorten erwerben kann. Diese "Schauerkerzen" gibt es in schwarz und in weiß, oft aufwändig mit Heiligenbildern verziert. Früher wurden sie nur aus dem Tropfwachs von Kerzen hergestellt, die in Kirchen und Kapellen gebrannt haben.
  • Eine Sense, mit der Schneide nach oben auf der Türschwelle abgestellt, sollte das Haus vor Blitzeinschlägen bewahren. Mancherorts benutzte man auch eine Axt dafür.  

Ha, bald ist Wochenende!

Kommentare :

  1. Zum Glück können wir das Wetter nicht bestimmen. Der mensch hat mit seinen eingriffen in die Natur schon soviel Schaden angerichtet.
    Liebe Grüße!

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  2. Liebe Ursel,

    einige dieser Wetterbräuche und -sprüche kenne ich auch, das meiste allerdings nicht. Nachdem ich schon recht oft in Mairegen gekommen bin, kann ich dir versichern, dass das beim Größerwerden nicht hilft – leider. Ich hätte auch gern 10 Zentimeter längere Beine, das wäre gut für den BMI ;-).

    Wie ich gesehen habe, machst du nun eine Sommerpause – genieße sie! Ich pausiere ja auch, aber mit Unterbrechungen zur Monatsmitte. Und manchmal, so wie jetzt, komm ich eben auf „Besuch“ ;-)

    Allerliebste Rostrosengrüße aus der Blogpause – und vielleicht ja auf Wiederlesen ab 15.7. bei ANL!

    Herzlichst, die Traude

    PS: Das Kleid von der „Wetterhexe“ gefällt mir ausnehmend gut, so eines hätte ich auch gern!

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Ich freue mich über jede Nachricht von euch!
Grüßle
Ursel


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