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Wer hat die Bundeslade?

15 August 2017



Die Bundeslade
Gemälde von James Tissot (1836-1902)
Keinerlei echte Dokumente gibt es über sie, keinen einzigen archäologischen Beweis ihrer Existenz, was etwas seltsam anmutet, wenn sie wirklich so wichtig war. Bis heute gibt es überhaupt nur sehr wenige archäologische Belege für König David und seine Geschichte. Nur ein einziger, kleiner Siegelabdruck bezeugt, dass Salomos Tempel wohl wirklich existiert hat. Man hat  auch diverse merkwürdige, eckige Steingefäße aus dieser Zeit gefunden, die Mini-Bundesladen darstellen könnten, praktisch welche für den Hausgebrauch. Aber als echte Beweise können diese Gefäße auch nicht dienen.
Das erste Mal wird die Lade in den Schriftrollen von Qumran erwähnt. Doch erzählen auch sie nur die altbekannte Geschichte nach und sind keine authentische Quelle. In der Bibel werden sogar Größe und Aussehen genau beschrieben: Eine Kiste mit den Maßen 125 x 75 x 75 soll sie sein, gebaut aus Akazienholz, mit goldenen Ringen, in denen vergoldete Tragestangen stecken. Auf dem Deckel, der geheimnnisvoll auch als "Gnadenstuhl" oder "Versöhnungsplatte" bezeichnet wird, befinden sich 2 goldene Cherubin-Statuen, die mit ihren Flügeln sich selber und die Lade beschirmen.

Von Anfang an begleiten ihre Geschichte übernatürliche Ereignisse, sie bereitete den Juden den Weg durch die Fluten des Jordan, sie half bei der Eroberung des gelobten Landes. Angeblich konnte sie auch schweben und sogar ihre Träger  mit in die Luft heben. In Äthiopien erzählt man sich, dort hätte sie beim Aufrichten der Säulen des Saba-Palastes geholfen. Es gibt auch sehr abenteuerliche Theorien über sie, so soll sie ein Kondensator gewesen sein, der Stromschläge austeilen konnte. Oder gar eine Art Funksprechgerät zur Kommunikation mit Außerirdischen.

Jedenfalls soll König David sie schließlich nach Jerusalem gebracht haben, um ein religiöses Zentrum zu errichten. Davids Sohn, der große Salomo, ließ 950 v. Chr. dann seinen großen Tempel um sie herum bauen, den sogenannten ersten Tempel, an der Stelle, wo heute der Felsendom steht.

Bau des Salomo-Tempels in Jerusalem
    aus Petrus Comestor's "Bible Historiale", ca 1450
Nach dem Bau des Tempels findet die Bundeslade in der Bibel keine Erwähnung mehr.Vielleicht ist sie dann jahrhundertelang im Salomon-Tempel aufbewahrt worden, bis Jerusalem um 590 v. Chr. von den Babyloniern erobert wurde. Die Stadt und der Tempel wurden damals zerstört, sämtliche Schätze geplündert. Ganz genau haben die babylonischen Chronisten damals aufgelistet, welche Reichtümer die Soldaten davon getragen haben, die Bundeslade war nicht darunter und gilt spätestens seitdem als verschollen.



http://rabenseiten.de/blog/blogger%2017/5/2e-indiana-jones.jpg

Fans von Indiana Jones wissen natürlich, dass sie inzwischen in einer Holzkiste im unterirdischen Archiv des CIA gelandet ist .  Ernsthafte Forscher haben da allerdings andere Vermutungen:

 

Die Bundeslade wurde zerstört oder in den Gängen des Tempelberges versteckt


Eine (sehr wahrscheinliche) Theorie besagt, dass die Lade verbrannt ist, als der Tempel bei der Eroberung zerstört und geplündert wurde.

Es gibt aber auch Berichte, sie sei damals in einem geheimen Schrein in irgend einem der zahlreichen Gänge, die angeblich den Tempelberg labyrinthartig durchziehen, versteckt worden. Manche Wissenschaftler glauben, Tempelritter hätten sie dort gefunden und wahlweise in den Vatikan oder nach Schottland gebracht. In den Überlieferungen des Templerordens findet man allerdings nichts darüber.

Ob die Bundeslade vielleicht doch noch in diesen Kathakoben lagert, kann nicht überprüft werden, Ausgrabungen dortselbst sind streng untersagt und werden wohl in absehbarer Zeit auch nicht erlaubt werden. Es gab zwar trotzdem einige illegale Versuche, aber anscheinend ist bisher nichts dabei heraus gekommen.

Die Bundeslade im "Moses-Berg"  und ihre Verbringung nach England 

Mt. Nebo
FOTO: VYACHESLAV ARGENBERG           (CC BY 2.0)

Im 2. Buch der Makkabäer, das zu Apokryphen gehört (religiöse Schriften jüdischer bzw. christlicher Herkunft aus der Zeit zwischen etwa 200 vor und 400 nach Christus, die nicht in einen biblischen Kanon aufgenommen wurden oder über deren Zugehörigkeit Uneinigkeit besteht), kann man lesen, dass der Prophet Jeremias nach Gottes Weisung die Lade vor dem Angriff der Babylonier weg geschafft und in in Moses Berg versteckt habe. Leider weiß heutzutage niemand mehr, welches dieser Berg sein soll. Viele Expeditionen waren danach auf der Suche, aber leider vergebens.

In den 1920er Jahren behauptete der Amerikaner Antonia Frederick Futterer, er habe im Berg Nebo in Jordanien einen verschlossenen Gang entdeckt, an dessen Ende sich eine Hieroglyphen-Inschrift befand. Er brachte eine Kopie davon zurück nach Jerusalem und ließ sie an der Hebräischen Universität übersetzen. Angeblich besagte die Inschrift, dass sich dort die Lade befinden solle. Seltsamerweise verschwand die Kopie, und der Übersetzer ließ sich auch nicht mehr finden. Futterer kehrte niemals zum Nebo zurück.

50 Jahre später war dort ein anderer Amerikaner unterwegs, Tom Crotser. Er hatte in Futterers Papieren gelesen und suchte nun diesen geheimnisvollen Gang. Angeblich fand er ihn dann in einem Nachbarberg, dem Pisgah. Crotser berichtet, dass er die Mauer, die den Gang versperrte, einreißen ließ. Dort fand er tatsächlich eine Kiste, die der Beschreibung in der Bibel ähnelte, nahm sie aber nicht mit, sondern brachte nur ein paar sehr schlechte Fotos heim. Nur wenige Leute durften diese überhaupt sehen, einer davon war der deutsche Archäologe Siegfried A. Horn, der tatsächlich auf einem der Fotos eine Kiste identifizierte. Er meinte allerdings, die goldenen Verzierungen der Kiste seien eher aus Messing gewesen und wiesen industriell geprägte Muster auf, die nicht aus der Zeit der Bundeslade stammen könnten. Die Crotser-Kiste sei eine Fälschung.

Die Bundeslade in Afrika


Eventuell gelangte die Lade aber auch auf seltsamen Wegen nach Äthiopien.  Im äthiopieschen Nationalepos "Kebra Nagast - Die Herrlichkeit der Könige" findet sich auch die Geschichte des Königs Menelik, der Legende nach der Sohn der Königin von Saaba mit König Salomo. Menelik sei einmal nach Jerusalem gereist, um seinen Vater zu besuchen. In seinem Tross befanden sich auf der Rückreise auch einige jüdische Priester. Diese hätten die Bundeslade quasi geklaut und nach Äthiopien gebracht. In Jerusalem sei nur eine Kopie verblieben, so heißt es.

Die Bundeslade in Aksum?


Kapelle in Aksum/Äthiopien, wo die Bundeslade lagern soll
FOTO: Ondřej Žváček
Angeblich wird die Bundeslade nach einigem Hin und Her vielleicht auch in Aksum aufbewahrt, wo man inzwischen bei Ausgrabungen die Überreste eines riesigen Palastes (angeblich der Palast der Königin von Saba) entdeckt hat. Oben seht ihr die Kirche St. Maria Zion in Aksa, in der sich die Bundeslade jetzt befinden soll. Niemand außer einem einzigen Priester, der das Gelände niemals verlässt, bekommt sie jemals zu sehen. Jedenfalls weiß keiner, wie die Aksumer Lade aussieht, geschweige denn, ob diese Kiste die "echte" Bundeslade ist. Ein Armenier namens Dimotheos behauptete allerdings Mitte des 19. Jhdts doch, die dort gelagerte Kiste zu Gesicht bekommen zu haben, sie sei im 14. Jhdt. in Idien gebaut worden und habe Inschriften in Alt-Äthiopisch. Außerdem sähe sie den Beschreibungen in der Bibel überhaupt nicht ähnlich.

Die heilige Trommel der Lemba

Schon in den 1950er Jahren berichtete ein Missionar namens Van Sinclair darüber, und 2008 kam der Londoner Professor Tudor Parfitt mit dieser Theorie an die Öffentlichkeit: Der Stamm der Lemba, der in Zimbabwe heimisch ist, erzählt über jüdische Ahnen, die die Lade von Jerusalem nach Afrika geschafft haben sollen. Tatsächlich haben die Lemba eine Unmenge von Traditionen, die auf jüdische Wurzeln hinweisen. Inzwischen ist auch ihre DNA untersucht worden, und es scheint, dass sich unter ihren Vorfahren tatsächlich Menschen aus der für die Bundeslade zuständigen Priesterkaste in Jerusalem befanden.

Die Lemba verehrten früher eine große heilige Trommel, die Ngoma Lungundu, deren Überreste Parfitt unlängst im Magazin des Harare Museum of Humen Science in Simbabwe gefunden haben will. Zwar sind das vermutlich wirklich Überreste einer Trommel, die überhaupt keine Ähnlichkeit mit der biblischen Bundeslade aufweisen. Als sie noch heil war, hat sie wohl eher so ähnlich ausgesehen:

http://rabenseiten.de/blog/blogger%2017/5/2c-ngoma-lungundu.jpg

Die Ngoma Lungundu kann also nicht die Bundeslade sein. Auch ist das Material viel jünger, es wird auf die Mitte des 14. Jhdts datiert.

Aber Lafitte glaubt, die Bundeslade sei irgendwann zerstört worden, und einen Teil der Trümmer habe man in der Ngoma Lungundu verarbeitet. Auch deren Inhalt sei den Legenden der Lemba nach ursprünglich in der Trommel aufbewahrt worden. Inzwischen ist aber wohl nur noch die äußere Hülle aus dem neueren Material übrig geblieben, das historische Material sei nicht mehr vorhanden.

Andere Orte, wo die Lade versteckt gewesen oder noch sein soll:

Die Prozessionskiste im Grab von Tut anch Amun
FOTO: HARRY BURTON  (1879-1940)

  • Im Grab von Tut anch Amun in Ägypten. Man fand dort eine Prozessionskiste, die der Beschreibung der Bundeslade sehr ähnlich ist, und die nach dem Glauben mancher Leute tatsächlich die verschollene Lade sein soll. Oben seht ihr ein Foto dieser Kiste.
  • In geheimen Kammern der Kathedrale von Chartres in Frankreich
  • Rennes-le-Château, Frankreich, von dort soll sie im 1. Weltkrieg in die USA verbracht worden sein (also doch CIA-Archiv *ggg*).
  • In den Archiven des Vatikan, wo sie als Beutegut landete, nachdem die Römer im Jahre 70 Jerusalem erobert hatten, und Stadt und 2. Tempel dem Erdboden gleich machten.
  • Nach einer allerdings recht zweifelhaften irischen Sage soll die Bundeslade auf seltsamen Wegen bis nach Tara in Irland gelangt sein und dort noch immer lagern. Angeblich ist die Bundeslade und ihr Versteck der Ursprung für den bekannten "Pot of Gold" am Ende des Regenbogens. Auf der Suche danach haben Mitglieder der Britischen Israeliten fast die Überreste von Tara zerstört.
  • Nach den Erkenntnissen des britischen Autors Graham Phillipps hätten britische Tempelritter die Lade im 11. Jhdt. im Berg Madhbah (viele Bibelarchäologen sehen ihn als Moses Berg an) gefunden und von dort nach Herdewyke in Warwickshire in in Mittelengland geschafft. Phillipps verfolgte die Spur weiter und fand tatsächlich einen Brunnen und eine Höhle, die als Versteck hätte dienen können.  Allerdings wurden dann sämtliche Spuren bei der Verbreiterung einer Straße vernichtet.
  • In einer noch unentdeckten Höhle in Qumran, wo man damals die Schriftrollen gefunden hat. Dort sollen auch noch andere alte Kirchenschätze versteckt sein.
  • Ich habe sogar (recht zweifelhafte) Berichte gelesen, dass die Lade in Mekka gewesen sei und eine Rolle bei diesem schrecklichen Unfall 2015 gespielt hat, als damals so viele Pilger ums Leben gekommen sind. Danach habe man sie in die Antarktis geschafft.
     
So! Und nun könnt ihr es euch aussuchen! Hat es diese geheimnisvolle Kiste jemals wirklich gegeben? Ist sie wirklich in dieser Kirche in Aksa gelandet? Lagert sie noch in einem Versteck, in irgend einer noch nicht gefundenen Höhle, am Ende eines geheimnisvollen Ganges oder vielleicht auch auf jemandes Dachboden wie so manches unentdeckte Kunstwerk? Befindet sie sich am Südpol? Oder ist sie längst den Weg allen Irdischens gegangen?

Ich wünsche euch was!

Kommentare :

  1. Aber, aber - die Lade war doch nur wichtig wegen ihres "Inhalts", und der, da "nicht substanzieller" Natur, kann ja überall gleichzeitig sein...beat that, Indi! lol ♥nic

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  2. Super spannend! Danke für den tollen Bericht. Ich liebe solche Geschichten.
    Liebe Grüße von Ines

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Ich freue mich über jede Nachricht von euch!
Grüßle
Ursel


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