page Rabenzeit - das Blog der Rabenfrau: Recycling-Birnen

Recycling-Birnen

02 September 2009



Herr von Ribeck auf Ribeck im Havelland


Herr von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland,
Ein Birnbaum in seinem Garten stand,
Und kam die goldene Herbsteszeit
Und die Birnen leuchteten weit und breit,
Da stopfte, wenn's Mittag vom Turme scholl,
Der von Ribbeck sich beide Taschen voll.
Und kam in Pantinen ein Junge daher,
So rief er: "Junge, wiste 'ne Beer?"
Und kam ein Mädel, so rief er: "Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick hebb 'ne Birn".

So ging es viel Jahre, bis lobesam
Der von Ribbeck auf Ribbeck zu sterben kam.
Er fühlte sein Ende. 's war Herbsteszeit,
Wieder lachten die Birnen weit und breit;
Da sagte von Ribbeck: "Ich scheide nun ab.
Legt mir eine Birne mit ins Grab."
Und drei Tage drauf, aus dem Doppeldachhaus,
Trugen von Ribbeck sie hinaus,
Alle Bauern und Bündner mit Feiergesicht
Sangen "Jesus meine Zuversicht".
Und die Kinder klagten, das Herze schwer:
"He is dod nu. Wer giwt uns nu 'ne Beer?"

So klagten die Kinder. Das war nicht recht -
Ach, sie kannten den alten Ribbeck schlecht;
Der neue freilich, der knausert und spart,
Hält Park und Birnbaum strenge verwahrt.
Aber der alte, vorahnend schon
Und voll Mißtrauen gegen den eigenen Sohn,
Der wußte genau, was er damals tat,
Als um eine Birn' ins Grab er bat,
Und im dritten Jahr aus dem stillen Haus
Ein Birnbaumsprößling sproßt heraus.

Und die Jahre gehen wohl auf und ab,
Längst wölbt sich ein Birnbaum über dem Grab,
Und in der goldenen Herbsteszeit
Leuchtet's wieder weit und breit.
Und kommt ein Jung' übern Kirchhof her,
So flüstert's im Baume: "Wiste 'ne Beer?"
Und kommt ein Mädel, so flüstert's: "Lütt Dirn,
Kumm man röwer, ick gew' di 'ne Birn."
So spendet Segen noch immer die Hand
Des von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland.
Theodor Fontane

Die Recycling-Birnen der Rabenfrau im obigen Bild sind nicht aus dem Garten, sondern gestern abend in einem spontanen Anfall von Kreativität entstanden.

Man nehme:
  • ein paar künstliche Birnen aus dem Dekobestand (meine sahen schon recht schäbig aus und sollten eigentlich in den Müll)
  • ein arg zerfleddertes Buch vom Flohmarkt (z. B. "Die Erzählungen" von Knut Hamsun, das ich billig für solche Zwecke erstanden habe)
  • Papierkleber
  • Metallreste (ich habe *örks* Bleireste verwendet, die ich mal beim Spengler abgestaubt habe. Ursprünglich mal für Zierpuppenfüße gedacht, aber doch nie verwendet. Der Rabenmann muss die Reste dann am Freitag beim Problemmüll im Recyclinghof abgeben!)
  • Stöckchen aus dem Garten (Reste vom Obstbaumschnitt im Frühjahr, aus meinem Windlicht geklaut)

Kommentare :

  1. Das ist schon eine nette Idee, wie man Tonnen äußert packen kann. Der Hinweis auf ein bestimmtes Buch, das benutzt worden ist, hat mich spontan zu der Idee verleitet, man könnte ja auch etwas anderes nehmen. Wie wäre es zum Beispiel mit einem berühmten Kinderbuch? Es muss ja nicht nur Text sein sondern es können ja auch Bilder sein. Wie wäre es wenn man eine Zeitung nimmt? Wie wäre es wenn man ganz bestimmte Artikel aus der Zeitung aus schneidet, die einen sehr bewegt haben. Dann hätte man sogar aktuelle Birnen.
    Wolf

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  2. Tja, man könnte auch sonst irgendwelche Texte benutzen, die einen irgendwie bewegen. Dann wären es keine Recycling-Birnen, sondern Meinungsbirnen oder Statusbirnen...
    Die Rabenfrau

    AntwortenLöschen

Ich freue mich über jede Nachricht von euch!
Grüßle
Ursel


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